Angst vor Russland: Litauer fordern mehr Stärke von Deutschland

5. Oktober 2016

Während der Krieg in der Ostukraine tobt, fürchten auch andere Länder eine russische Invasion. Litauer befürchten, dass Putin ihr Land annektiert und richten ihre Bitten an Deutschland.

Als die russische Invasion in der Ostukraine begann, fingen Litauer an, sich um ihr Land zu sorgen. Mehr als 20 Jahre lang gehörte der größte der drei baltischen Staaten zur Sowjetunion. Auch wenn sich die Situation im Land durch die Anwesenheit der NATO erst ein Mal beruhigt hat, so befürchten viele Litauer dennoch, dass Russland sie eines Tages angreifen wird.

„Ich denke, dass Russland in einigen Jahren versuchen wird unser Land, oder Teile davon zu annektieren“, sagt Domas aus Kaunas. Er ist Mitte 30, erlebte in seiner Kindheit noch die Sowjetunion. Er ist froh über die Unabhängigkeit seines Landes, sieht aber auch, wie wichtig das Baltikum für Russland sein kann.

Voller Zugang zur Ostsee

„Litauen ist ein wichtiges Land für Russland. Es ist wie ein Highway, der das Land mit der Ostsee verbindet. Vom strategischen Gesichtspunkt her, ist Litauen ein wichtiges Land. Wenn Russland einen baltisches Staat annektiert hat, sind auch die anderen fällig und dann besitzt Putin den vollen Zugang zur Ostsee“, sagt der Schmied.

Mit dieser Meinung steht der Kaunasser nicht alleine da. Auch Student Mindaugas und Automechaniker Vytautas sehen eine Bedrohung durch Russland. „Ich denke, dass Russland teile Litauens annektieren will“, sagt Mindaugas. Vytautas geht noch einen Schritt weiter: „Ich denke, dass es Putins Ziel ist das Land größer zu machen als es sein sollte. Er möchte Russland zu alter Stärke, die der Sowjetunion, zurückbringen. Und sie wollen die Grenzen verlegen“, sagt der Mechaniker.

Erst Georgien und Moldau, dann die Krim

Die Geschichte stützt die Aussagen der drei Litauer. Russland attackierte bereits Georgien und Moldau. 2014 folgten dann die Annexion der Krim und der Krieg in der Ostukraine. Alle drei Länder gehörten, wie auch das Baltikum, früher zur Sowjetunion. Die Angst der Litauer ist daher vielleicht nicht ganz unberechtigt.

Mehr Unterstützung gefordert

„Bei der Annexion der Krim agierte der Westen sehr schwach. Ich glaube sie waren geschockt, wirkten fast teilnahmslos“, sagt Vytautas. „Ich würde mich aber wesentlich sicherer fühlen, wenn viel mehr NATO-Truppen in unserem Land wären“, ergänzt er. Auch Domas wünscht sich mehr Unterstützung: „Deutschland und die NATO sollten uns noch mehr unterstützen. Wir brauchen mehr Abwehrsysteme, wir brauchen Panzer und wir brauchen mehr Truppen, um uns zu Verteidigen. Wir bereiten uns vor, aber wir sind im Vergleich zu Russland wirklich winzig. Du kannst dich 100 oder 200 Jahre lang vorbereiten, das macht keinen Unterschied. Sie sind zu viele, haben zu viele Panzer, zu viele Waffen. Hier in Litauen haben wir in etwa 2,5 Millionen Einwohner, maximal 3. Allein in der russischen Armee sind eine Million Soldaten. Es ist eine Frage der Größe“, sagt er. Er fordert, dass die westlichen Regierungen in dieser Situation mehr Stärke beweisen.

Deutschlands schwache Rolle in der Krise

Student Mindaugas übt vor allem Kritik an der deutschen Bundesregierung: „Deutschland müsste viel mehr tun und endlich mehr Stärke beweisen“, sagt er. Das Land habe eine besondere Macht und müsse aufgrund der bewegenden Vergangenheit mit Russland und der Sowjetunion eine deutlichere Position beziehen. „Deutschland ist ein bedeutendes Land in der Europäischen Union, aber es scheint Angst vor Russland zu haben. Die Regierung sollte etwas mehr Eier zeigen und sich gegen Putin durchsetzen.“


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