Captain Riesling entert den Seenotrettungskreuzer

19. Januar 2017

Ein lautes Klingeln reißt mich aus dem Schlaf. Es ist Marens Wecker. Es ist noch dunkel draußen. Warum steht sie denn heute schon so früh auf? Wollen wir es rausfinden. Sie packt eine Tasche mit Kamera und einem Block. Na dann hüpfe ich da auch mal rein. Nur muss ich aufpassen, dass sie mich nicht entdeckt.

Die Zeit im Auto nutze ich, um noch eine Runde zu schlafen. Wer weiß was mich später erwartet?!

Captain Riesling in Cuxhaven

Endlich angekommen, da muss ich mich erstmal umschauen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir endlich da. Maren steigt aus, die Gelegenheit nutze ich, um auch Reißaus zu nehmen. Die Luft riecht nach Salz, ich glaube wir sind am Meer. Endlich, wir waren schon ewig nicht mehr am Meer. Dann werde ich mich hier mal umsehen. 🙂

Ich sehe einen Leuchtturm und Wasser, das sieht gut aus, da gehe ich hin. Puh hier liegt Schnee und es ist glatt, aber ich schaffe das. Ich bin ja schließlich ein großer Bär.

Auf das Geländer schaffe ich es auch spielend. WOW, was ein Blick! Ich sehe nur noch Wasser, ein paar Fahrwassertonnen und was das Beste ist: Schiffe! Hier fühle ich mich wohl.

Immer mehr Leute kommen an den Steg, also setze ich meine Reise fort. Ein paar Meter weiter sehe ich rote Aufbauten. Ist es das was ich denke was es ist? Es sieht nach einem Seenotrettungskreuzer aus. Ich gehe schneller, renne, will sehen ob ich recht habe. Juhuuuuuu, es stimmt. Ich kann den Namen lesen. Es ist die „Hermann Marwede“, der größte Seenotrettungskreuzer von allen. 46 Meter lang. Er steht als Modellbau bei Maren im Wohnzimmer. Der Kreuzer liegt doch sonst auf Helgoland. Warum ist er heute hier?

Der Seenotrettungskreuzer Hermann Helms ist in Cuxhaven stationiert.

Der Seenotrettungskreuzer Hermann Helms ist in Cuxhaven stationiert.

Ob ich das rausfinden kann? Die Gangway liegt an Land, meine Chance mich mal genau umzusehen. Das wollte ich schon immer mal machen. Ich war noch nie auf einem Seenotrettungskreuzer. 🙂

Also los geht’s. Nur darf mich niemand erwischen. Aber ich merke das wird ganz schön schwierig. Hier sind sehr viele Leute an Bord, nicht nur Seenotretter.

Als Erstes gehe ich unter Deck. Mal schauen was dort so los ist. Es ist warm und riecht nach Kaffee. Aber es ist viel zu viel los. Der Raum ist voller Menschen, auch Fernsehleute haben ihre Kameras gezückt. Also ganz schnell wieder raus. Draußen ist es eh viel schöner.

An Backbord, also auf der linken Schiffsseite, hat noch ein zweiter Kreuzer festgemacht. Die „Hermann Helms“. Die Besatzung läuft geschäftig durch die Gegend. Sieht so aus, als würden sie gleich ablegen. Vielleicht zu einem Einsatz? Ich schaue mir an, wie das große Schiff mühelos durch den Hafen gleitet. Immer wieder schön. Die Helms fährt aus dem Hafen, also gehe ich weiter nach vorn, Richtung Bug.

Hier liegt ein großer, orangener Ball. Auf dem mache ich es mir bequem, denn von hier habe ich den besten Blick und kann beobachten was passiert.Riesling am Bug der Hermann Marwede

Nach einigen Minuten kommen immer mehr Leute auf den Bug. Sie machen Fotos und reden. Auf ein Mal wird es laut und fängt an zu vibrieren. Oh nein, der Motor ist an, die Marwede legt ab. Hilfe, was mache ich denn nun? Was mache ich wenn Marens Termin vorbei ist und sie wieder nach Hause fährt – ohne mich?

Ich muss wieder zurück zum Auto. So schnell mich meine kurzen Bärenbeine tragen, sprinte ich zurück zum Heck, will über die Gangway an Land. Aber die Verbindung ist nicht mehr da. Der Seenotrettungskreuzer bewegt sich immer weiter vom Liegeplatz weg. Zu weit für mich, um noch an Land zu springen. Ok, also muss ich an Bord bleiben. Ich hoffe nur, dass die Marwede zurück fährt und sich jetzt nicht auf den Weg nach Helgoland macht.

Ich kann nicht weg, also kann ich die Zeit auf dem Schiff auch nutzen und genießen. Wir verlassen den Hafen in Richtung Hamburg. Also nicht nach Helgoland – zum Glück. Also zurücklehnen und mal schauen, was passiert. 🙂

Jetzt sehe ich auch wieder die „Hermann Helms“. Wie es aussieht hat sie auf uns gewartet, denn sie bleibt die ganze Zeit in unserer Nähe. Also mache ich mich auf den Weg zurück zum Bug.Captain Riesling mit dem Seenotrettungskreuzer Hermann Marwede im Hintergrund
Als ich in der Mitte vom Schiff bin, fährt die Helms ganz schnell an uns vorbei und produziert Wellen. Das Schiff fängt an zu Schaukeln. Mir als gestandenem Seebären macht das natürlich nichts aus. Beim Segeln auf der Ostsee und im Atlantik hat es schließlich auch schon das ein oder andere Mal geschaukelt. Und so ein Seenotrettungskreuzer kann schließlich noch viel mehr ab als eine 15-Meter-Yacht. Die Seenotretter fahren schließlich bei jedem Wetter raus. Captain Riesling auf der Hermann Marwede, im Hintergrund die Hermann Helms

Wieder am Bug angekommen, mache ich es mir bequem. Hier ist nun mehr los. Ich halte Ausschau nach meinem Kumpel Vormann Knuddel. Ob er wohl auch an Bord ist? Bestimmt. Er liebt es unterwegs zu sein. Vielleicht sehe ich ihn ja, das wäre toll.

Noch während ich darüber nachdenke, saust die Hermann Helms wieder an uns vorbei. Hohe Wellen treffen auf unser Schiff, ich bleibe sicher sitzen. Andere Passagiere aber purzeln um, wie die Männchen beim Kegeln 😀 Beim nächsten Mal sollten sie sich lieber festhalten.

Jetzt bleibt die Helms in unserer Nähe. Mittschiffs ist wieder Hektik, ich glaube eine Show steht an. Alle rennen weiter nach hinten, ich bleibe aber sitzen. Schließlich habe ich von hier die beste Sicht.
Das Tochterboot Verena wird ins Wasser gelassen. Sie kreist ein paar Mal um uns und die Hermann Helms, dann springt ein Mann ins Wasser. Das Wasser muss doch aber ganz schön kalt sein, schließlich liegt an Land Schnee. Wird dem Mann nicht kalt? Ach nee, er trägt ja so einen wasserdichten Überlebensanzug.  Die Besatzung übt heute anscheinend das Mann-Über-Bord-Manöver. Also wenn wir das üben, werfen wir immer nur Fender über Bord. Aber die Seenotretter werden schon wissen was sie tun. Schließlich ist das ihr Job.

Captain Riesling auf dem Seenotrettungskreuzer Hermann MarwedeGanz schnell ist der Gerettete wieder an Bord der Verena. Das nenne ich ein erfolgreiches Manöver. Ich muss noch mehr üben, um so gut zu werden. Bin ich froh, dass diese Männer uns retten, wenn Maren und ich mal in Not geraten…

Die Verena fährt noch eine Schleife und kommt dann wieder zurück auf ihre Position am Heck der Hermann Marwede. Die ändert den Kurs und fährt wieder Richtung Cuxhaven. Puh, Glück gehabt. Jetzt hoffe ich nur, dass Marens Auto auch noch auf dem Parkplatz steht.

Die Rückfahrt wird allerdings noch etwas dauern. Die Zeit nutze ich, um nach Vormann Knuddel zu suchen. Ich suche an Deck, im Tochterboot, unter Deck. Keine Chance, er ist nicht da. Schade, ich hätte meinen guten Freund gern mal wieder gesehen. 🙁

Die Motoren werden langsamer. Das heißt wir sind zurück im Hafen und legen gleich an. Ein Glück, von weitem kann ich das Auto sehen. Maren ist also noch nicht weg und ich komme wieder nach Hause.

Nach dem Abenteuer ist Riesling ganz schön müde

Zurück im Auto – jetzt ein Nickerchen.

Als alle Landverbindungen hergestellt sind, springe ich so schnell es geht von Bord. Ich verstecke mich am Auto. So, dass Maren mich nicht sieht.

Nun heißt es warten, warten und noch länger warten. Über eine Stunde dauert es, bis Maren wieder da ist. Während sie die Tür öffnet, hüpfe ich unbemerkt ins Auto. Als sie losfährt, kuschel ich mich auf ihre Jacke. Nach dem Abenteuer bin ich sehr erschöpft. Es war doch alles ganz schön aufregend. Kurz vor´m Einschlafen, lasse ich den Tag noch revue passieren. Es war einfach toll mal auf einem Seenotrettungskreuzer mitfahren zu dürfen. Ich bin schon gespannt, was wir als nächstes erleben. Es wird aber bestimmt ein spannender Ausflug 🙂


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