Captain Riesling erobert Langeoog

25. Januar 2017

Im Winter ist zu Hause immer viel los. Essen vorbereiten, Päckchen einpacken, Tannenbaum schmücken und und und. Maren und ihre Mama haben viel zu tun, sodass ich nicht wirklich aus dem Haus komme. Aber das ist ja nicht schlimm. Wenn es draußen dunkel und kalt ist, komme ich so gut wie gar nicht aus dem Bett. Ich halte dann nämlich Winterschlaf.

Einen Morgen aber, es muss kurz nach Weihnachten sein, weckt Maren mich ganz früh und trägt mich ins Auto. Ich bin noch ganz verschlafen und werde nicht richtig wach. Auf der Rückbank kuscheln wir uns nochmal ein und schlafen weiter. Heute fahren die anderen. 🙂

Als ich wieder wach werde, ist es um mich herum ganz dunkel und es schaukelt. Wo bin ich??? Ich sehe mich um, es ist ganz eng hier. Ich glaube ich weiß es, ich bin in Marens Rucksack und sie trägt mich. Es schaukelt ganz schön, zwischendurch bekomme ich auch ein paar Stöße ab. Also sind wir irgendwo in einer Schlange oder im Gedränge. Das gefällt mir hier gar nicht. Ich will wieder raus ins Freie, an die Luft. Es dauert gefühlt eine Ewigkeit. Schaukeln, Schläge, Enge. Aber dann wird es besser, es hört zu schaukeln auf, der Rucksack wird abgestellt.

Meine Chance endlich auszubüchsen! Ich versuche den Rucksack von innen zu öffnen. Aber das ist gar nicht so leicht mit meinen Bärentatzen. Ich versuche zwischen die Schieber vom Reißverschluss zu kommen, da ist zum Glück ein wenig Luft. Ich schaffe es, ein Stück zu schieben. Aber es ist ganz schön anstrengen
d so über Kopf zu arbeiten. Ich brauche eine kurze Pause, nur ganz kurz. Ein Mal atmen und weiter geht’s. Stück für Stück arbeite ich mich vor. Nach acht weiteren kleinen Erfolgen und Pausen habe ich den Schlitz endlich so weit geöffnet, dass ich meinen Kopf rausstecken kann. Es ist ganz schön hell und ich muss mich erst daran gewöhnen. Aber ich rieche Salz in der Luft. Sind wir am Meer? Ich höre den Schrei eines Vogels. Ist es eine Möwe? Ja! Also müssen wir am Meer sein. 🙂 Langsam gewöhnen sich meine Augen an die Helligkeit. Also versuche ich hier mal raus zu kommen.

Endlich befreit, schaue ich mich mal genauer um. Der Boden ist grün, die Geländer weiß und überall stehen orange Bänke. Wir müssen auf einer Fähre sein. Wo wir wohl hin fahren? Ich schaue mich weiter um. Wir müssen auf dem obersten Deck sein, denn es geht nur eine Treppe runter, keine hoch. Ich klettere das Geländer, die Reling, hoch. Dann kann ich mehr sehen. Es ist ganz schön hoch, ich muss aufpassen, dass ich nicht ausrutsche und runter falle. Denn dann heißt es Bär über Bord und das muss ja nicht sein. Aber ich schaffe es sicher auf die Reling zu kommen und kann weiter klettern. Hier ist ein Tor zur Brücke. Da kann ich mich sicher drauf setzen und Ausschau halten.Captain Riesling auf der Langeoog IV

Direkt unter meinem Platz sehe ich einen Rettungsring. Hier steht auch der Name des Schiffes: „Langeoog IV“. Also geht es auf die Insel im Wattenmeer. Um uns herum sehe ich Wasser, aber auch Sandbänke. Es ist also Ebbe. Deshalb brauchen wir etwas länger, bis wir durch die Fahrrinne auf die Insel kommen. Langsam bewegen wir uns fort. Ich genieße einfach die Luft und den Blick aufs Wasser. Gut, dass ich so ein dickes
ärenfell habe. Nur in meiner Kapitänsuniform würde mir sonst ganz schön kalt.

Ich weiß gar nicht wie lange wir unterwegs sind. Ich beobachte Vögel, Schiffe und schaue mich nach Fahrwassertonnen um. Plötzlich tutet das Schiff ganz laut. Ich erschrecke mich und falle fast von meinem Sitzplatz. Erst jetzt sehe ich, dass wir schon fast im Hafen sind. Also ab zurück in den Rucksack. Dann spare ich mir die Lauferei und verliere Maren nicht. 🙂 Jetzt wird es erstmal wieder eng, dunkel und ruckelig. Ich mache die Augen zu und versuche nochmal zu schlafen. So richtig will es nicht gelingen, also warte ich einfach, bis wir am Ziel sind und Maren mich befreit.

Nach einer Ewigkeit dringt Licht in den Rucksack, er wird geöffnet und Maren holt mich raus. Wir sind in einer Wohnung. Ich glaube hier war ich schon. Aber ich kann mich kaum erinnern. Maren trägt mich ins Schlafzimmer. Dort sitzt auch schon Kuschel, der Freund von Ina. Also mache ich es mir
hier auch bequem und warte ab was passiert.

Captain Riesling und seine Freunde

Mir ist ganz schön langweilig. Immer hängen wir nur ab.

Tage vergehen. Es ist total langweilig, hier passiert gar nichts. Maren und ihre Familie unternehmen Dinge, lassen mich aber immer hier. Alles was ich mache ist Essen, Schlafen und hier Rumhängen. Ich will doch aber etwas erleben! 🙁

Wieder vergehen zwei Tage, ohne dass etwas passiert. Mir reichts, ich gehe jetzt auf eigene Faust los. Ich brauche nur noch einen Plan. Jeden Tag stellt Marens Mama einen Korb mit dreckigen Handtüchern vor die Tür, damit sie ausgetauscht werden. Ich kann mich darin verstecken und so aus der Wohnung kommen. Das ist genial, so klappt es.

Am nächsten Morgen ergreife ich die Chance. Alle sind unten im Schwimmbad. Ein paar der Handtücher liegen aber schon im Korb. Ich klettere rein und verstecke mich. Ich weiß nicht wie lange ich hier so liege. Irgendwann wird der Korb angehoben, ein paar Meter getragen und wieder abgestellt. Juhuuu, jetzt ist mein Moment. Ich warte darauf, dass die Tür wieder geschlossen wird. Es soll mich ja schließlich niemand entdecken. Klick, Klick. Sie ist zu. Also los. Ich werfe die Handtücher von mir runter, klettere aus der türkisen Wanne und mache mich auf den Weg. Da ist ein Aufzug, aber ich komme nicht an den Knopf. Also muss ich die Treppe nehmen. Meine Beine sind zu kurz um die Stufen richtig zu nehmen. Aber egal, irgendwie schaffe ich das schon.

Unten angekommen verstecke ich mich so lange, bis jemand die Tür öffnet. Dann ab ins Freie.

Ich laufe ein Stück die Straße entlang, versuche mich zu orientieren. Das ist aber gar nicht so leicht. Ich sehe einen großen weißen Turm aufragen. In die Richtung gehe ich. Wenn ich auf dem Hügel bin, sehe ich bestimmt auch wo das Meer ist.

Der Blick von hier oben ist genial. Ich kann fast über die gesamte Insel blicken. Ich sehe den Strand und das Meer. Also laufe ich weiter in die Richtung. Zunächst gehe ich eine ganze Weile an Dünen entlang. In grün und beige wachsen die Gräser aus dem Sand. Ab und zu sehe ich organgene Beeren leuchten, Sanddorn. Ich pflücke ein paar davon und probiere sie. Aber pfui, die sind ja total sauer. Von denen lasse ich in Zukunft lieber die Pfoten. Also setze ich meinen Weg fort. Weiter Richtung Strand. Langsam werden meine Beine müde. Also muss ich mir mal ein schönes Plätzchen zum Ausruhen suchen. Noch ein Stück die nächste Düne hoch, sehe ich eine Bank. Das schaffe ich. Nach kurzer Zeit bin ich da. Als ich es mir bequem gemacht habe, erblicke ich das Meer. Das ist ein super Platz für eine Pause.

Ich beobachte Leute, die an mir vorbei laufen und sehe, wie sich das Wasser Stück für Stück vom Strand zurückzieht. Es ist Ebbe. Vielleicht finde ich dann am Strand gleich ein paar schöne Muscheln oder Steine. Also setze ich meine Erkundungstour über die Insel fort.

Am Strand ist viel los. Viele Leute gehen spazieren und haben auch ihre Hunde dabei. Ich muss aufpassen, dass mich keiner von ihnen beißt. Aber die haben selbst bestimmt Angst vor einem
tarken Bären wie mir. Ich gehe immer weiter und weiter, zwischendurch sehe ich ein paar schöne Muscheln. Die packe ich ein.

Irgendwann taucht vor mir etwas großes, grünes auf. Von weitem kann ich es nicht erkennen. Aber ich komme näher und werde es bald herausfinden. Es ist eine Fahrwassertonne. Aber warum liegt die hier im Sand? Hier sollte besser kein Schiff vorbei fahren. Dann bleibt es ja stecken.

Ich will sie wieder ins Wasser ziehen. Aber das schaffe ich nicht. Sie ist viel zu schwer für so einen kleinen Bären wie mich. Aber ich kann gut auf ihr spielen. Ich klettere an ihr hoch. So eine Fahrwassertonne am Strand lädt zum Spielen ein
Das macht Spaß, aber es ist auch sehr schwer. Immer wieder rutsche ich ab. Aber ich gebe nicht auf und schaffe es. Oben angekommen, habe ich einen guten Ausblick. So wie ich machen es auch viele Kinder. Sie klettern an der Tonne rauf, rutschen auf ihr herum und haben Spaß.Captain Riesling klettert auf die Fahrwassertonne am Strand
Das lockt immer mehr an. So langsam wird es mir hier zu voll, also gehe ich weiter.

Ich muss auch bald den Rückweg antreten. Ich sollte zurück sein, bevor es dunkel wird. Also rutsche ich von der Tonne runter und drehe rechts ab, tapse durch den weichen Sand zur nächsten Düne und den befestigten Wegen. Hier komme ich wieder schneller vorwärts, weil ich nicht mehr so doll einsinke.

An einer Kreuzung weiß ich nicht mehr weiter. Welchen Weg muss ich nehmen, um wieder ins Hotel zu kommen? Ich schaue mich um, kann aber keinen Anhaltspunkt entdecken. Ich gehe einfach geradeaus weiter. Hier auf der Insel komme ich schon irgendwie ans Ziel. Und dann habe ich Glück. Ich sehe den weißen Turm wieder aufblitzen. Also muss ich in diese Richtung weitergehen, um wieder heim zu finden.

Noch eine Stunde dauert es, bis ich das Hotel wieder erreiche. In der Zwischenzeit ist auch schon die Sonne untergegangen und es wird dunkel. Jetzt muss ich nur noch wieder die Treppe hoch und ins Zimmer kommen. Obwohl ich mittlerweile sehr müde bin und mir die Beine weh tun, schaffe ich es. Angekommen ist aber die Tür zum Zimmer abgeschlossen. Wie komme ich nun rein?

Ich muss warten, bis jemand kommt, dann kann ich heimlich hinein huschen. Aber aus meinem Plan wird nichts. Vor lauter Müdigkeit schlafe ich ein. Ich werde erst wach, als mich eine laute Stimme aus den Träumen reißt.

„Riesling du frecher Kerl, hast du dich wieder davon geschlichen?“ Es ist Maren. Ohoh, jetzt gibt es bestimmt Ärger. Ich versuche es mit meinem bravsten Lächeln, da fragt sie: „Hattest du denn einen schönen Ausflug?“ Ich grinse sie an und nicke. Da nimmt sie mich in den Arm, gibt mir einen Kuss auf die Nase und trägt mich ins Bett.

Ich hatte einen tollen Tag, doch jetzt bin ich froh wieder bei Maren zu sein. Ich kuschel mich in ihre Bettdecke und schlafe schnell ein – voller Vorfreude auf das nächste spannende Abenteuer. 🙂


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